Was wollen die mit so ’nem Hippie-Boy?

Simon ist ein Tausendsassa. Nicht genug, dass er als Fotograf und Model erfolgreich ist, er kreiert außerdem mit seiner Geschäftspartnerin Laura Kampagnen für Firmen wie Porsche, ist Brand-Ambassador für Leica und interviewt nebenbei noch Menschen in der Badewanne für GQ. Wir trafen uns in seiner Agentur im Glockenbachviertel in München und es bedurfte nicht viel Überredungskunst, ihn dazu zu kriegen, sich dieses Mal selbst nackt vor die Kamera zu stellen.

InterviewSimon LohmeyerAugust 2020

Bush Junior

Sven: Ich hab vorhin mal zum Einstimmen nach ein paar Videos von dir auf YouTube gesucht und bin dabei über das Badewannen-Interview gestolpert mit … wie heißt er noch mal, der 68er?

Simon: Rainer Langhans.

Ja, genau! Wie kam das denn zu Stande? Gerade in der Badewanne?

Ich hab mir dieses Format mal für GQ ausgedacht. Eigentlich bin ich auf die Idee gekommen wegen Loriot, Badewanne und so. Das trifft ja auch mich gut als Charakter, da spielt die Nudity mit, so ein bisschen Humor und irgendwie fand ich das Setup auch einfach geil. Und da hab ich dann echt ein paar abgefahrene Talkgäste gehabt über die Jahre. Einer davon war Rainer Langhans. Aber das war mit das weirdste Gespräch, das ich je hatte, weil der verläuft sich sehr gerne in seinen Gedanken. Da bist du manchmal so, äh, was? (lacht) Man versucht es dann noch zu verstehen, aber der switcht dann ganz viel zwischen Leben und Tod und transzendenten Sachen, die kannst du nicht erfassen. Aber lustiger Kerl, keine Fragen. Wenn die Leute mich 21st Century Hippie nennen, dann ist er der Godfather of Hippie! (lacht)

Der O.G. Hippie (lacht). Und wie bist du zu dem Titel 21st Century Hippie gekommen?

Das kam von Condé Nast, die haben mich irgendwann mal so genannt und ich fand das eigentlich ganz gut. Für die heutige Zeit komme ich dem Hippie-Bild wahrscheinlich am nächsten. Vor allem damals, da hatte ich gerade zwei Freundinnen, wir waren in einer Dreierbeziehung und alles war frei und offen; und dann noch die Nacktfotografie und das Nacktsein. Und so kam das Hippie-Ding. (Simon schmunzelt) Ja, die Badewanne …

Barcelonetas

Simon vor der Lichtinstallation Heizstrahler von Roman Cherezov (@roman_the_whippet) in der Lazy.Gallery

Ich fand das Format ja cool. Ich stell’s mir nur ein bisschen seltsam vor. Wenn man da mit Marcus Schenkenberg in der Wanne sitzt, wird es ja auch ein bisschen eng, der ist ja doch ein Brackerl Kerl.

Stimmt, mit Marcus wurde es ein bisschen eng. Mann, der Kerl, der hat auch Geschichten erzählt. Und er musste sich noch drei Mal föhnen lassen, bevor er in die Wanne gestiegen ist. (lacht) Das Lustigste in dem Gespräch war sein neues Parfüm, von dem er mir da erzählt hat; das hieß „You never go home alone cologne“. (Simon und ich lachen beide zeitgleich laut auf)

Klingt nach ’nem Riesenhit!

Das ist schon unfassbar. Und seine Managerin ermahnte mich davor noch: „Frag ihn bloß nicht nach seiner Zeit mit Pamela Anderson!“ Und dann hat er angefangen Sexgeschichten mit Pamela Anderson auszupacken – ich hatte nicht mal danach gefragt! Aber ich sag dir, so eine Badewanne lockert schon auf. Die Leute steigen ein und fühlen sich gleich gemütlich und warm und dann fangen sie alle an zu brabbeln.

Wahrscheinlich trennt sich davor schon die Spreu vom Weizen. Viele, die man anfragt, denken sich wahrscheinlich auch: „Badewanne? Was soll’n das?“

Klar, es gab ein paar, die ein Interview in der Badewanne vielleicht zu intim fanden und abgesagt haben.

Aber ich fand’s schon ein witziges Format. Ist aber auch schon eine Weile her, oder?

Ja, vier Jahre.

Gucci

Photoautomat

Ich muss ja zugeben, ich hab irgendwie gar keinen Überblick, was du so alles machst. Magst du mal so grob überreißen von nach der Schule an oder so?

(Simon atmet erst mal durch) Was so alles passiert ist?

Ja, also grob, nur grob! (beide lachen)

Ich glaub ausschlaggebend war, als ich mit 17 auf einem Straßenfest hier in der Hans-Sachs-Straße an einem Stand Würstchen und Bier verkauft habe, wurde ich von meinem Booker – der ist bis heute mein Booker – angesprochen zu modeln. Damit hab ich dann auch recht schnell angefangen und hab auch schnell lustiges Geld verdient und bin mit 17 ausgezogen. Mit 18 hab ich noch mein Abi gemacht, hier auf dem Luitpold-Gymnasium, und mit 19 bin ich dann direkt … nein, na ja, dann hab ich noch zwei Wochen hier an der LMU Psychologie studiert (lacht). Das war aber nichts. Und dann bin ich nach Kapstadt gezogen.

Um dort zu modeln?

Ja, und ich wollte eigentlich dieses eine Jahr einfach nur machen und dann anfangen zu studieren. Aber aus dem Jahr sind dann doch 12 geworden.

Wurdest du dann gleich international gebucht oder wie läuft sowas?

Wo du halt bist. Ich hab mich dann in Kapstadt verliebt und bin mit einem New Yorker Mädel zusammengekommen und bin dann zu ihr nach New York gezogen. Und dann hab ich eben in New York gemodelt. Auch richtig große Kampagnen und Laufsteg und so Zeug. Dann noch mal kurz zurück nach Kapstadt und dann bin ich nach Australien gezogen, glaub ich. Ja, nach der Trennung von meiner Ex-Freundin. In New York hab ich auch noch gecatert – das war auch so geil, das war so ein Model-Catering, da hab ich 300 Dollar die Stunde bekommen.

Wow …

Da gab’s Geschichten. Ich hab auf der Hochzeit von der Tochter vom CEO von MTV gecatert und wir waren 300 Models, die gebucht waren als Service. Das kannst du dir nicht vorstellen. Oder dann hab ich Karl Lagerfeld bedient mit knapp 20 auf so einer Chanel-Party – weil ich halt der Deutsche war und mich mit ihm unterhalten konnte. Na ja, und dann ging’s eben nach Australien, da hab ich dann gegärtnert und Musik-Videos gemacht.

Auch noch weiter gemodelt?

Das Modeln ging immer so mit. Werbung wird auf der ganzen Welt gemacht. Selbst als ich in Mexiko gelebt habe und mir gedacht habe, dieses ganze Land schaut anders aus als ich, wie kann ich hier in einem Werbespot sein oder auf Plakaten? Ich hab’s nicht verstanden, aber selbst dort hab ich gut gearbeitet.

Ich seh das immer in Asien, die ganze Welt scheint anzustreben, möglichst europäisch und langweilig auszusehen. Deshalb wollen sie auch ihre Models immer gleich. Eigentlich total bescheuert.

Ja, ich weiß auch nicht. Gerade die Mexikaner sind ja auch so ein schönes Volk und da steckt soviel Ursprung und Geschichte in den Gesichtern und dann verfolgen die ihren amerikanischen Traum irgendwie zu sehr. Und dann bin ich ihn ihren TV-Spots. I don’t get it.

Weird, ge?

Ja, total weird. Auch traurig irgendwie. Aber gut, das war immer praktisch. Ja, was kam denn dann noch so? Ich hatte eine riesen Familientragödie in Deutschland und kam dafür aus Mittelamerika zurück. Dann hab ich hier auch noch ein bisschen Gastro gemacht, zwei Bars aufgemacht – die Frauen 26 und dann noch das Studio Simon Lohmeyer, in dem wir das Speakeasy Girls Girls Girls drin hatten – ich weiß nicht, ob du davon mal gehört hast?

Das war in der Müllerstraße, oder?

Reichenbach. Genau. Ach ja, und dann hat GQ schon an die Tür geklopft, wegen meiner Fotografie. Die haben mich dann erst mal als Fotografen gefeaturet und dann wurde ich GQ-Ambassador. Das hat vor fünf oder sechs Jahren angefangen. Das war auch ein ganz schöner Step, denn ich konnte weiter reisen, konnte meine Geschichten erzählen, fotografieren, filmen und hatte so eine Marke im Rücken, die einem natürlich sehr viele Türen aufgemacht hat.

Aber wie hat das mit dem Fotografieren eigentlich angefangen? Ich muss ja zugeben, das ist immer so der Teil, der mich mit am meisten interessiert, so der künstlerische Aspekt.

Ich hab immer schon gerne fotografiert, aber in Kapstadt hab ich dann meine Freundin das erste Mal professioneller fotografiert. Ich hatte davor so eine Touristenkamera, Pentax Coolpix oder sowas, aber egal, ist auch nur ’ne Kamera und man konnte wunderbar damit fotografieren.

Klar, schau dir Terry Richardson an. Üble Technik und gerade damit erfolgreich geworden.

Genau, it doesn’t matter. Den Kerl hab ich auch kennen gelernt in New York. Das war auf der gleichen Party, wo Karl Lagerfeld war. Ich kannte natürlich auch seine dirty Bilder und ich fand es so genial, ihn zu sehen. Für mich war der so ein Pornostar! So Fotograf-Pornostar.

Ein bisschen obszön.

Ja, obszön auch. Aber er wurde gefeiert und war in der High-Society voll mit drin. Da kann man sich auf jeden Fall eine Scheibe abschneiden. (lacht)

Glyptothek

Pool

Aber ihr passt ja auch gut zusammen, so dieses leicht provokative, Nudity …

Ja, genau. Auf jeden Fall war er die Inspiration, dass ich mir da irgendwie keine Gedanken machen muss, weißt du? So dass man sich Brücken abbrennt oder so. Halt so die Gedanken, die man sich mit 20 macht: „Wenn ich jetzt nackte Menschen fotografiere, was denkt die Welt von mir?“ Aber da war meine Mum ganz cool, die meinte: „Simon, da ist nix dabei, was ich noch nicht gesehen hab, und es schaut super aus. Mach einfach.“ Und dann hatte ich so das Approval von daheim. Die Nude-Fotografie kam aber erst später, ich hab zuerst viel Charity und Doku-Zeug gemacht, in den Townships in Kapstadt Obdachlose fotografiert.

Auf Eigeninitiative?

Das war eigentlich immer Eigeninitiative, was mir so Spaß macht. Für die Fotografien von Obdachlosen hab ich zwar tatsächlich Fotopreise gewonnen und die waren in tollen Magazinen und so, aber Geld hat man damit nicht verdient. Und in Australien hatte ich dann eine neue Freundin, Jen, und die hab ich dann das erste Mal nackt fotografiert. Und das ist so schön geworden, dass alle ihre Freundinnen dann auch nackt fotografiert werden wollten. (lacht) Dann hab ich einen Blog angefangen, dirtydirty.me – das war früher noch ein Tumblr.

Gibt’s den noch?

Mittlerweile nicht mehr. Theoretisch findet man die Sachen noch, aber Tumblr ist auch so viel strenger geworden, die haben meine ganzen richtig provokanten Sachen alle runtergenommen. Aber da waren Bilder dabei, auch wenn ich die nur for fun gemacht und mit der Welt geteilt hab, die wurden über eine Million mal geteilt bei Tumblr. Und so ist mein Name dann ein bisschen rausgekommen. Ich hab nie was dafür gemacht, irgendwie hatte ich Glück, dass was ich gemacht habe, seine Runde gemacht hat und ich damit arbeiten konnte. Dann kamen die ersten Magazine und dann hatte ich einen Artikel in der Süddeutschen mit meinen Nudes. Und den hat dann ein Redakteur von der GQ gesehen und hat mich eingeladen. Und dann war ich GQ-Fotograf und -Blogger.

Kein schlechter erster Job.

(Simon lacht) Nee, war sehr spannend! Auch das erste Mal so: Mach dir mal Gedanken für ein Gehalt.

Matsch

Du musstest dir also selber aus dem Arsch ziehen, was du haben willst?

Ja, genau so! Und dann saß ich in dem Büro vom Chefredakteur und er meinte: „Hast du dir Gedanken gemacht?“ Und ich meinte nur: „Ja, hab ich, aber was würdest du denn vorschlagen?“ Zum Glück hab ich das noch gesagt, denn was er dann gesagt hat war das Doppelte von dem, was ich mir gedacht hatte. (lacht)

Und du hast schwer überlegt und es ihm dann doch zugestanden? (lacht)

Pokerface! Aber ja, „Also das hatte ich mir auch in etwa gedacht. Darauf können wir uns einigen.“ Ja und dann war ich immer noch selbstständig, hatte aber das erste Mal in meinem Leben ein festes Gehalt. Das war natürlich auch mal wieder schön.

Aber hast du mit den Modeljobs nicht schon ganz gut Kohle auf die Seite legen können für diese ganzen anderen Sachen?

Ja, ich hab schon immer was auf die Seite legen können und auch, als ich die Bar verkauft habe, ist ein bisschen was übrig geblieben. Und so hab ich mich immer über Wasser gehalten. Aber ich hab auch nicht viel gebraucht, ich kann auch mit ein paar Euro im Monat überleben. Das habe ich immer versucht mir so zu behalten, dass ich die größtmögliche Freiheit habe, denn wenn du mit wenig Geld auskommst hast du irgendwie mehr Freiheit. Und das ist mir immer ganz gut gelungen.

Dazu passt ja dann auch ganz gut das Tiny House, das du jetzt hast, oder?

Das ist auch wieder so was, wo ich sagen kann, darauf kann ich zurückfallen, wenn man mal nichts verdient. Wir hatten aber jetzt auch Glück mit der Agentur, dass wir Corona so gut überlebt haben.

Simons Agentur dient gerade als Galerie. Hinter ihm drei Werke aus der aktuellen Ausstellung der Akademie der Künste: Lichtung von Florian Tenk, Goldene Bar und Sammlung II von Karolina Vocke,

Ihr habt hier viele Luxuskunden, oder?

Genau, ein paar Luxuskunden, Hotel, Spirituosen und Fashionkunden für die wir allerhand Kreatives umsetzen. Das war natürlich erst mal alles auf Eis gelegt. Aber wir haben letztes Jahr viel gearbeitet und hatten ein bisschen was auf dem Konto. Aber ja, das Tiny House – da bin ich autark. Da mach ich mein eigenes Wasser.

Echt? Dein eigenes Wasser?

Ja, ich filter das aus einem Bach und mit einer Turbine erzeuge ich auch meinen eigenen Strom. Da kann ich mich selbst versorgen.

Das liegt ein bisschen außerhalb von München?

Das ist ne halbe Stunde südlich von München, voll entspannt.

Dass du dein eigenes Wasser machst, das fasziniert mich ja.

Ja, ich hab da lange rumgefuchst. Das ist so ein dreifacher Osmosefilter. Was die Firma der Filter gesagt hat, fand ich ganz beruhigend! Sowas wie „Den kannst du in eine Ebolapfütze im Kongo halten und das Wasser trinken.“

Und das Haus hast du tatsächlich selber gebaut? Ich nehme an, Elektriker oder sowas hast du kommen lassen?

Wir haben einen Elektriker drüber schauen lassen, aber es ist alles selber gemacht. Mit einem Freund zusammen haben wir von Juli bis September gebaut. Aber am Ende klingt das alles immer so viel aufregender, als es ist.

Es gibt halt eine Menge Sachen, in die man sich reinfuchsen muss – Elektrik, Isolierung, Wasser. Am Anfang steht man wahrscheinlich schon erst mal ziemlich planlos da, oder? (Sven zuckt mit den Schultern)

Am Anfang ist es echt genau das Gefühl, wo fängt man an und wo hört man auf. Aber wenn du das Step für Step machst – erst mal das Fundament und dann eine Holzkonstruktion mit einer ganz normalen Dämmung und einem ganz normalen Dach, Verkabelung war auch kein Hexenwerk. Woran ich am längsten gewerkelt habe, war wahrscheinlich das Wasser. Das wird mit einer Pumpe raufgesaugt und da dann den richtigen Filter zu finden, der dazwischen gesteckt wird. Auch der Boiler dann – ich dusch ja jeden Morgen mit Bachwasser und trink Bachwasserkaffee. (lacht) Aber es ist herrlich. Jetzt funktioniert auch alles perfekt, hätte ich auch nicht gedacht.

Hattet ihr schon einen Winter drin?

Ja, den ganzen letzten Winter. Hat super funktioniert.

New Fucking York

Daniella

Das find ich schon sehr cool, ist sicher auch einer meine Träume. Ich brauch auch nicht viel Platz und dann noch in der Natur und möglichst viel selbst erzeugen – das klingt schon sehr befriedigend.

Doch, das stimmt. Und um wieder darauf zurückzukommen, da weiß ich, das kann ich mit ein paar Euro im Monat machen. Weißt du, wie ich meine? Darauf kann ich zurückfallen und meine Familie wohnt nebenan. Man ist irgendwie aufgehoben und safe. Und das musste bei mir immer sein, dass man sich die Freiheit da bewahrt.

Ich find’s aber auch cool, dass du das so bodenständig entscheidest. Sonst sieht dein Lifestyle ja schon ziemlich nach Jetset und Highlife aus. Zwischen Berlin und München und New York – so sieht es zumindest von außen aus.

Ja gut, das ist ja auch immer so eine lustige Welt, die man da so erzeugt, aber ich bin schon viel unterwegs. Auch durch GQ und die Kunden, mit denen ich arbeite, durfte ich schon ein bisschen jetsetty unterwegs sein.

Machst du mit der GQ noch viel?

Ja, wir arbeiten immer noch miteinander, auch wenn ich gerade was den Content angeht, geswitcht habe. Burda bringt ein Magazin nach Deutschland, das viele vielleicht schon kennen: Esquire.

Und was hält Condé Nast davon? Ist das irgendwie ein Problem oder ist das gang und gäbe, dass man zwischen Verlagen wechselt?

Ach, das ist gang und gäbe, dass Fotografen für mehrere Magazine arbeiten. Das hat sich aber auch nicht unfreundlich getrennt oder so, und ich fotografiere ja immer noch für Condé Nast. Ich bin auch froh, dass ich jetzt so ein bisschen ein anderes Standing habe, weil ich mit ganz vielen verschiedenen Verlagen arbeite. Aber mein Fokus wird für die Zukunft erst mal Esquire. Das ist nicht so Gentleman und Fliege, sondern eher gute Typen, da darf ein Mann auch bei romantischem Licht in ’ner Blumenwiese sitzen, weißt du?

Und da machst du wieder Projekte, oder hast du einen festen Posten bei denen?

Ich bin als Autor bei Esquire und werde Content machen. Ich hab gerade ein Video gemacht mit dem neuen Porsche Taycan und meinem Tiny House und wie ich dieses crazy Elektroauto in meinem Garten lade mit meinem eigenen Strom und sowas.

Aus dem Bach gespeist!

Genau, aus dem Bach gespeist! (lacht)

Geben die dir solche Projekte, jetzt bei Esquire oder auch davor bei GQ, oder sagst du so: „Ich hab da ne Idee“?

Ist eigentlich immer so, dass ich ne Idee habe. Meistens hängt das ja auch mit einem Kunden zusammen. Nehmen wir mal Porsche, ich habe seit etwa fünf Jahren einen Vertrag mit denen, da mache ich, was mir Kreatives in den Sinn kommt. Die sagen zum Beispiel, hier ist der neue Targa – mach was damit! Und dann fahr ich los, zack. Häng zum Beispiel ’nen Wohnwagen hinten dran und fahr durch Norwegen.

„Für die ist es wichtig, dass jeder weiß, dass ich mit der Kamera fotografiere und mich damit auch sehen lasse. Und dann machen wir Events oder zum Beispiel beim GQ – Männer des Jahres hab ich hinter der Bühne alle Stars fotografiert in Kooperation mit Leica.“

Mann, ich wusste gar nicht, dass es solche Deals gibt! (lacht) Bei Leica bist du ja auch Ambassador. Da machst du halt einfach alles mit Leica und die featuren dich dann irgendwie, oder wie?

Für die ist es wichtig, dass jeder weiß, dass ich mit der Kamera fotografiere und mich damit auch sehen lasse. Und dann machen wir Events oder zum Beispiel beim GQ – Männer des Jahres hab ich hinter der Bühne alle Stars fotografiert in Kooperation mit Leica.

Und bei Porsche läuft das dann auch so?

Genau, wir haben einen Jahresvertrag und dann mach ich Content. Wie gesagt, jetzt kommt der neue Targa und da mach ich noch eine Geschichte. Davor war gerade der Taycan und da hat es halt super gepasst, mit dem Tiny House eine süße Geschichte zu machen. Das hat denen auch gut gefallen.

Cold Beer

Wurdest du für solche Deals immer angesprochen oder buhlt man da irgendwie drum?

Bei Porsche? Das hab ich nie verstanden. (lacht) Ich war zuerst von VW gesponsort und dann kam der Dieselskandal. Und dann hat direkt Porsche an die Tür geklopft und ich hab mir gedacht, „okay, ihr wollt wirklich mit so ’nem Hippie-Boy zusammenarbeiten?“

Aber auch wen du mit Tiny House und Sparsamkeit unterwegs bist, stehst du ja schon für eine andere Szene – so München, bissi schicki …

Ja, das gehört sicher auch mit dazu. Ich kann auch eine Luxusmarke gut vertreten, aber halt mit einer ehrlicheren Geschichte. Die haben ja schon ihre Porsche-Fahrer, die man so kennt, vielleicht bin ich die Nachfolgegeneration, die sie damit erreichen wollen. Who knows?

Ich glaub, genau das ist es …

(Simon lacht)

In Werbung ist es doch immer so. Die suchen sich jemanden, der ein Image verkörpert, mit dem sie sich assoziieren wollen. Aber das ist ja auch legitim, solange alle damit happy sind.

Ja, ne? Und am Ende kriegen sie halt auch andere Geschichten als vom Motorsport-Jounalisten. Ich hab auch noch nie über PS oder irgendwas Technisches geschrieben. Ich bin seit fast fünf Jahren mit Porsche unterwegs, aber du darfst mich eigentlich nix fragen. (lacht) Aber darum geht’s ja auch nicht, ich versuche ja einen Lifestyle rüberzubringen und das in eine schöne Geschichte zu verpacken.

Was fährst du denn dann? Was passt aus dem Angebot am besten zu deinem Lifestyle?

Also ganz ehrlich wäre es für mich der Macan, das ist so dieser kleine Cayenne. Ich muss halt was reinpacken können, ich will Familie, weißt du, was ich meine? Und der Macan soll jetzt auch noch als Elektro rauskommen, dann kann ich ihn selber laden. (lacht) Aber ich hab mir letztes Jahr einen VW T2 in Brasilien gekauft.

Ach, die haben den immer noch produziert da drüben, oder? Hast du ihn neu kaufen können?

Nee, der ist schon 35 Jahre als. Der wird gerade hergerichtet. Da fließt noch viel Wasser den Bach runter.

Ist schon lange her, aber ein Freund von mir hatte auch mal einen alten T2 geschenkt bekommen, der war total runtergekommen. Und er hat ihn dann über zwei Jahre wieder hergerichtet. Ich war auch oft mit draußen – wir haben allein 100 Stunden geschliffen, nur um ihn für die Lackierung vorzubereiten. (lacht)

Wow, ja ich bin jetzt dann am Schleifen! (lacht) Ach ja, das wird ein lustiges Projekt.

Ist halt genau wie das Tiny House, total befriedigend.

Ist es wirklich, das ist so die Magic. Wie gesagt, ich war jetzt schon 12 Jahre auf Reisen, hab jetzt schon wirklich die Welt anschauen dürfen. Und jetzt ist’s irgendwie so. Ich hab auch mal gehört, da ändert sich dann was in deinem Sternzeichen, so ab 30 wird dann dein Aszendent stärker – und irgendwie kann ich’s fühlen. (lacht) Irgendwie mehr gesettelt. Ich bin auch super glücklich barfuß bei mir im Garten.

Mit deinen Fotos scheint es ja so, als hättest du einen never-ending Vorrat an Nudes in der Stadt – auf deinem Instagram sind ja Unmengen davon.

Ich hab den Account jetzt erst angefangen, weil ich mich um das Dirty Dirty Me nicht mehr gekümmert habe.

Damit warst du noch gar nicht auf Instagram?

Das war halt ein Tumblr – wie Instagram, nur früher. Und jetzt lade ich erst mal meine ganzen Nudes bei Instagram rein. Ich hab ja unendlich, ich könnte jeden Tag drei Fotos posten für die nächsten zwei Jahre.

Bums Up

 

Ich nehme an, die Shootings muss man immer ein bisschen heimlich machen?

So Nudes? Ach, ich weiß nicht. Das ist immer so lustig. Ich hab neulich am Odeonsplatz fotografiert. Da geht doch diese Rolltreppe rauf und sie fuhr da nackt rauf – das war ein Bild für Götter – und sie hatte ihr Kleid neben sich auf die Rolltreppe gelegt und als sie oben ankam, hat sich das Kleid verhakt! (lacht)

Ich hoffe, du hast auch davon Fotos!

Das war so gut. Sie stand da, nackt am Odeonsplatz in ihren Adiletten, und versuchte ihr Kleid aus dem Ding zu ziehen. Aber ich war dann gleich da und hab ihr geholfen, klar.

Ihr macht das also bei hellichtem Tag, ohne große Planung?

Ich schau schon, dass sie safe sind und dass wenig los ist. Und wenn viel los ist, dann proben wir’s mit Klamotte noch und dann zack zack! Aber die Leute schauen höchstens mal für einen kurzen Moment und dann ist’s auch nur ein nackter Körper.

Irgendwann mal Probleme mit der Polizei gehabt?

In Wien haben sie uns mal nach Hause geschickt: „Ge, bitte, ziagts ei ah und geahts nach Haaauuuseee.“ Das war sehr lieb. Da gibt’s auch ein richtig geiles Foto. Wir haben eine Wasserschlacht gemacht, nackig, und ich hab ein Bild von einem Freund zwischen Polizist und Polizistin, nackt mit einem Wassereimer in der Hand. (lacht) Grandioses Foto! Gut, dass ich dran denke, aus den unendlichen Archiven könnte ich das eigentlich demnächst mal posten, sonst verliert man’s nur wieder. (Simon macht übrigens schnell Nägel mit Köpfen, das Foto war eine halbe Stunde später schon online.)

„Das war so gut. Sie stand da, nackt am Odeonsplatz in ihren Adiletten, und versuchte ihr Kleid aus dem Ding zu ziehen.“

„In Wien haben sie uns mal nach Hause geschickt: ‚Ge, bitte, ziagts ei ah und geahts nach Haaauuuseee.‘ Das war sehr lieb. Da gibt’s auch ein richtig geiles Foto. Wir haben eine Wasserschlacht gemacht, nackig, und ich hab ein Bild von einem Freund zwischen Polizist und Polizistin, nackt mit einem Wassereimer in der Hand. (lacht) Grandioses Foto!“

Hast du feste Models, mit denen du an sowas arbeitest?

Nee, gerade unterwegs habe ich auch sogar schon Fremde angesprochen, so: „Hey, das wär echt schön, wenn du …“

„… dich jetzt hier ausziehst?“

Aber irgendwie hab ich das Glück, dass ich da schnell Vertrauen aufbauen kann. Und dann hab ich auf einmal Leute nackt vor der Linse, die ich nicht kenne, und es kommt irgendwas Abgefahrenes dabei rum. Ich buche ja auch niemanden. Mir geht es ganz viel um eine schöne Location. Am Ende des Tages sind das für mich Erinnerungen an die Locations, nur dass ich kein Landschaftsfotograf bin und die so fotografierte, sondern ich muss das halt irgendwie noch mal künstlerisch für mich umsetzen. Das ist eigentlich nur ein großes Album für all die schönen Erinnerungen an die Orte.

Was ist im Moment, neben der Fotografie, gerade etwas an dem du arbeitest?

Ich arbeite gerade an einer App, die ich gerade für München entwickle, weil die Wiesn nicht stattfindet, mit Off-Wiesn-Locations. Und jetzt hab ich gerade einen Buchvertrag unterschrieben, nächstes Jahr kommt ein Ratgeber, über Kreativität, Glücklichsein und wie man ein kunterbuntes Leben lebt, heraus.

Schreibst du sowas komplett selber?

Ich habe einen wundervollen Mentor, der mich bei meiner Arbeit am Buch unterstützt.

Woher nimmst du die Zeit für das alles? (lacht)

Ach, ich denk mir immer, ich schlaf eigentlich zu viel und vertreib mir meinen Tag auch einfach mal so. Ich könnte noch drei mal mehr machen, wenn ich die Zeit richtig nutzen würde. Da denke ich immer an jemanden wie Picasso, der hängt in jedem fucking Museum in der ganzen Welt. Was der geschafft und wie viel der gearbeitet haben muss!

Aber andererseits hat er ja – und das ist jetzt in großen Anführungszeichen – nur gemalt. Du machst tausend Sachen und sowas zu kombinieren finde ich schwierig. Wenn du morgens aufstehst und jeden Tag acht Stunden malst, kommen in dreißig Jahren schon einige Bilder dabei rum.

Wahrscheinlich, da hast du auch Recht. Ach, irgendwie befruchtet sich ja auch alles gegenseitig, weißt du, was ich meine? Es passt irgendwie gut zusammen und so hab ich immer das Gefühl, dass ich eigentlich gar nichts mache, als würde ich den Tag nur verschlafen. Aber das hab ich auch in der Schule schon gemerkt, 20% Aufwand und 80% Erfolg. Vielleicht musst du die richtigen 20% machen, damit das dann nach so viel aussieht. (lacht)

Locked out

Pleasure me

Die gute alte 80/20-Regel – für die letzten 20% des Resultats braucht man 80% der Arbeit.

Ja, genau.

Und wie lange habt ihr den Space hier schon?

Ein bisschen mehr als ein Jahr.

Und gerade habt ihr eine Ausstellung drin von …

Das sind 12 Künstler von der Akademie der Künste. MAX33 (@max33art) macht das Projekt mit Peter Hansen zusammen, das ist der Direktor von der Villa Stuck und der kümmert sich super viel um so Nachwuchskünstler. Und deshalb haben wir mal wieder ein paar Junge ausgestellt, die gesehen werden müssen und wegen Corona natürlich auch gehustlet haben, weil sie keine Chance hatten auszustellen.

Und habt ihr dann Events hier oder tagsüber Publikumsverkehr? Wie läuft das so?

Wir machen hier Events. Demnächst ist auch wieder eine Vernissage, da kannst du dann auch gern kommen.

Das ist auch wirklich eine coole Ausstellung. Ich hab ja manchmal mit modernen Sachen das Problem, dass ich den Zugang nicht so ganz finde, aber hier sind schon tolle Sachen. Vor allem das da hinten gefällt mir sehr gut.

Ja, das ist grandios schön. Das hat gerade ein Influencer gekauft. Das ist ein junger Künstler, das ist sein zweites oder drittes Jahr auf der Akademie und das kostet schon richtig Geld.

Wie heißt der?

Zafer Urun (@zaferrurun).

Simon vor God Has Bigger Plans von Zafer Urun (@zaferrurun)

Echt schöne Sachen hier gerade.

Ich lieb das auch. Am Ende verdienen wir ja nichts daran, aber das ist halt eine schöne Richtung und man holt sich auch gute Leute ins Haus und ich glaube, das ist auch so ein bisschen das Geheimnis: Man muss sich die ganze Zeit irgendwie platzieren und gesehen werden und immer weiter reden. Und ich liebe einfach Menschen und ihre Geschichten, und das ist so eine Aufgabe, Charaktere und Geschichten einzusammeln, und dadurch bist du auch gleich da draußen.

The Lazy Land (@thelazy.land), die Agentur hier, ist jetzt gerade dein Haupt-Gig?

Ich würde schon sagen, das ist so das Haupt-Ding geworden. Über die Lazy GmbH läuft auch viel meiner Fotografie oder meine Kooperationen managt auch Laura, meine Geschäftspartnerin. Es ist alles so ein bisschen konzentriert auf den Ort und die Agentur.

Und was sind so Projekte, die ihr darüber macht?

Ganz unterschiedlich. Für Porsche habe ich vor dem aktuellen Video auch noch drei Videos produziert, die kommen jetzt ins Porsche-Museum. Die hatten das nicht in Auftrag gegeben, aber sie fanden es so geil, dass es jetzt ins Museum kommt. Oder zum Beispiel haben wir jetzt ein Brand, die machen nachhaltige Klamotten aus Baumwolle aus Portugal, und mit denen haben wir jetzt was entwickelt mit Noah Becker und Nikita Thompson, eine bekannte Tänzerin, die ihre eigene Collection jetzt mit denen machen. Und wir unterstützen das marketingtechnisch und denken uns Kampagnen aus. Ist also alles sehr offen. Den Space hier haben wir auch mal als Pop-Up-Store an North Sails vermietet, oder an Rituals. Echtes, natives Storytelling – das ist unser Ding. Und Laura, mit der ich das mache, war davor auch bei Condé Nast und hat mich betreut bei GQ … oh Mist, ich muss gleich los, ich hab um 17 nach einen Zug nach Bad Gastein.

Easy, ich muss auch mal weiter.

Und so kommt immer eins zum anderen, wenn man offen ist. Und das ist schön, denn wenn man sich da draußen auch so platziert, dass man offen ist für was auch immer, dann kommen die Leute auch auf einen zu und fragen, hey, kannst du das, oder kannst du uns da connecten, oder was würdest du da empfehlen? Und so entsteht ein ganz schöner Flow und man hat doch immer was zu tun. (lacht)

Ich find’s cool, was ihr hier aufbaut. Und auch mit sowas wie der Ausstellung, wenn man den eigenen Fame ein bisschen für andere nutzen kann.

Unbedingt. Ich finde, dass ist auch so ein bisschen Verantwortung. Sobald du etwas auch für andere nützlich machen kannst, musst du das machen. Oder auch, wenn man mehr verdient, als man braucht, seh ich mich in der Verantwortung, dass ich mich um andere kümmere. Ganz einfach.

Ich würde sagen, das ist ein schönes Wort zum Sonntag, mit dem wir wahrscheinlich enden sollten und du musst zusehen, dass du deinen Zug erwischt.

(Simon lächelt ein letztes Mal breit) Danke dir!