Rosa Kammermeier über den Weg zum eigenen Stil und ihre Entdeckungsreise durch die Musikgeschichte

Rosa sucht sich ihren eigenen Weg – mit ihren Illustrationen und in ihrer Musik. Wenn man mit ihr redet, hat man das Gefühl, sie ist zwar ständig auf der Suche, aber nie verloren dabei. Ihr visueller Stil ist eine gute Repräsentation ihres Musikgeschmacks: eklektisch und gleichzeitig gradlinig, verspielt aber dennoch klar.

InterviewRosa KammermeierSeptember 2020

Zodiac

Sven: Wie lief denn dieses Jahr bei dir so bisher?

Rosa: 2020 hat für mich eigentlich so mega gut angefangen und ich habe ein bisschen gedacht, das wird mein Jahr. Ich hatte total viele Projekte, die mir wirklich viel Spaß gemacht haben. Ich habe auf dem Forward Festival gesprochen, und auf der TOCA ME hatte ich auch eine Vernissage. Die TOCA ME war dann Anfang März und da war es dann ja auch schon so, dass nicht mehr klar war, ob die überhaupt stattfindet. Und das Forward Festival fand nur am Donnerstag statt und der Freitag wurde abgesagt. Für mich hat’s also total gut gestartet, aber dann hatte ich mich doch ein bisschen zu früh gefreut.

Ah shit. Und wie sah es dann mit Kundenprojekten aus?

Ich hab ja sowieso immer eher zeitlich beschränkte Projekte, also nichts, was sich über viele Monate hinzieht. Eigentlich immer nur spezielle Projekte, zum Beispiel ein Kunde will Stoff-Patches von mir designt haben oder so. Aber bei mir gab es auf jeden Fall auch Projekte, die eigentlich schon geplant waren, aber dann komplett abgesagt wurden. Und das waren auch Projekte, auf die ich mich schon sehr gefreut hatte – aber ich denke, das war bei jedem von meinen Freunden aus der Design-Szene so. Es war ja eigentlich überall so, dass man erst mal gespart hat an den Stellen, die man nicht unbedingt benötigt, und Design ist halt nicht sowas total Grundlegendes für viele Menschen.

Sagen wir mal, ich hab davon gehört, das sowas vorkommt, aber passiert es bei dir jetzt auch, dass auf einmal Kunden ankommen und Projekte reinschieben wollen, weil sie die Rechnungen brauchen, um sich noch für irgendwelche Hilfen zu qualifizieren?

Das hatte ich noch nicht.

Stell dich drauf ein, das könnte noch kommen. (lacht)

Mal sehen. (lacht)

Chill Girl

„You can see this snowy @jaguar E-Pace in front of @mak_vienna on the Occasion of @stefansagmeister and @jessicavwalsh s ”Beauty“ exhibition! Text („The Beauty Manifesto”) by Sagmeister Walsh, Art direction by @charlottebuflerwunderwaffe , lettering by me 😱 so excited to See this and the exhibition IRL tomorrow!“

(on Instagram)

Hast du momentan denn dafür dann eigene Projekte laufen? Du hast ja vorhin schon mal gesagt, dass du auch in der Zeit, in der weniger los war, versucht hast, regelmäßig ins Büro zu kommen.

Ich hab halt einfach gesehen, dass ich für mich eine Art Struktur in meinem Tag brauche. Ich kann viel besser kreativ sein, solange ich mir selber eine Art von Struktur vorgebe. Kreativität kommt ja nicht auf einen Fingerschnipp, sondern man muss das ja auch fast ein bisschen trainieren. Man kann nicht einfach jeden Tag super kreativ sein und spannende Sachen machen. Deshalb hab ich für mich selbst gesehen, solange ich mich jeden Tag hinsetze und einfach nur eine Skizze mache – mit der ich vielleicht auch überhaupt nicht zufrieden bin –, das bringt mir trotzdem was. Vielleicht kann ich aus der Skizze ja dann irgendwann für ein späteres Projekt noch was benutzen. Deswegen versuche ich, meine Kreativität da so ein bisschen zu trainieren, sag ich mal. Und in dieser Zeit habe ich versucht, mich mit digitalen Illustration ein bisschen mehr zu beschäftigen.

Auf dem iPad? Hast du davor alles auf Papier gemacht?

Nee, ich hab schon auch immer wieder digitale Sachen gemacht, aber ich hab mich nie wirklich mit den einzelnen Funktionen beschäftigt. Wie man es aus dem Berufsleben eben kennt: Du kommt zu einem Projekt dazu und versuchst, möglichst schnell alles hinzubekommen, aber du beschäftigst dich vielleicht gar nicht richtig mit den einzelnen Möglichkeiten, die man eigentlich in einem Programm hat.

So digitale Zeichenprogramme müssten ja eigentlich perfekt für deinen Stil sein, oder? Da kannst du ja super gut mit Ebenen arbeiten. Ich find auch immer sehr praktisch, dass man Outlines ziehen und erst danach Flächen dahinter setzen kann.

Ja voll. Natürlich ist es trotzdem nicht dasselbe wie wenn ich mit einem Pinselstift was zeichne. Da kommt dann viel mehr noch Zufall rein, was ich auch sehr gerne mag. Deshalb switche ich eigentlich immer so ein bisschen zwischen digitalen und analogen Illustrationen. Da sieht man auch wieder, dass ich mich nicht so richtig festlege und vielleicht manchmal etwas zu breit gefächert bin. (lacht)

Meinst du wirklich? Ich finde ja, es ist fast nicht möglich, zu breit gefächert zu sein. Man probiert Neues aus, klar, manchmal fällt auch wieder was weg, aber alles, was man probiert hat, bleibt ja auch irgendwie hängen. Und man greift dann irgendwie vier Jahre später auf einmal wieder darauf zurück.

Vielleicht hab ich das auch immer noch so abgespeichert, diesen Rat aus der Uni, dass man sich unbedingt spezialisieren sollte, beziehungsweise, dass man schon möglichst früh versuchen sollte, seinen eigenen Stil zu finden. Und ich habe mittlerweile gesehen, dass man sich eigentlich sein Leben lang auf der Suche nach dem eigenen Stil befindet, weil sich das ja auch entwickelt mit Trends und man sich auch davon inspirieren lässt. Da frage ich mich manchmal, wie man es überhaupt schafft, seinen eigenen Stil zu finden. Zu mir sagen viele, man sieht total, wenn was von dir ist, aber für mich selbst sind das noch so viele verschiedene Strömungen in meinem Kosmos, sag ich mal (lacht), sodass ich mir selber manchmal schwer tue damit, das unter einen Stil zu bringen.

Aber du selbst siehst halt auch, wo es herkommt und damit auch die Unterschiede. Wenn ich auf deinen Instagram-Account schaue – was ja mittlerweile jedermanns Portfolio ist –, dann sieht das schon alles sehr schlüssig aus. Du machst zwar viele unterschiedliche Sachen, aber es ist nichts dabei, das nicht reinpasst. Und ich glaube, das ist, was die Leute mit einem Stil meinen. Aber du hattest dann damit angefangen, dich auf Lettering zu spezialisieren, oder? Ich erinnere mich da an das Ooh Baby I Like It Raw.

Das war ja ein Projekt, das ich im Rahmen der Adobe Creative Residency gemacht habe. Das war so eine Art Stipendium, das hatte ich für insgesamt 12 Monate, und da wurde man unterstützt in verschiedenen Bereichen – auf Konferenzen fliegen oder Workshops machen. Darauf hatte ich mich beworben, nachdem ich mich sechs, sieben Monate vorher selbständig gemacht hatte, und da war ich noch so auf dem Trichter, ich muss mich unbedingt spezialisieren, und ich wollte mich auf Typografie und Schriftzüge spezialisieren. Daraufhin hab ich mir dann ein Projekt überlegt, bei dem ich mich dann auch intensiver mit Schriften beschäftigen kann, und das war dann Walk of Happiness. Und dieses Projekt habe ich dann in Berlin, München, San Francisco und Las Vegas gemacht.

Personal work Aphrodite

Und die Reisen hat alle Adobe bezahlt?

Genau. Und ich hab mir für das Projekt Sprüche überlegt, die positiv sein sollten, und die dann auf Schaufenster gemalt. Da gab es dann in den Städten unterschiedliche Stationen. Ein bisschen wie eine Schnitzeljagd.

Wie viele Motive waren das dann so?

Pro Stadt waren es ungefähr zehn Schaufenster.

Wow! Und du hast dir einfach die Läden rausgesucht und die dann gefragt? Gab es viele Absagen oder waren alle total begeistert?

Ich musste schon viele Geschäfte abklappern. Das Problem war auch, dass viele Besitzer, obwohl sie nichts dafür bezahlt haben, bei dem Design oder den Sprüchen mitreden wollten. Das war manchmal ein bisschen schwierig, mit denen dann auch Sprüche zu finden, mit denen wir beide zufrieden waren; und auch soweit seinen eigenen Standpunkt zu vertreten: „Stopp, du bekommst das jetzt gerade for free und das ist eigentlich mein Projekt.“

Ich hatte neulich ein Interview mit einem Tätowierer aus Berlin, Moritz Lindur, der hat mir von einem Freund erzählt, der Sprüche tätowiert. Und bei einem Projekt hat er sich mit Leuten eine Weile zusammengesetzt und mit ihnen geredet und daraus dann einen Spruch gezogen, den er auf die Person gestochen hat, ohne dass sie es vorher gesehen haben. Das hat dann ja eine gewisse Ähnlichkeit, nur in dem Fall wollten die Leute nicht mal ihre Scheiben dafür hergeben! (lacht) Wie wenig vertrauen kann man haben.

Irgendwie versteht man es ja, die präsentieren sich damit ja auch. Ich hab das dann letztes Jahr auch noch mal im Rahmen der Munich Creative Business Week gemacht, dabei hab ich dann aber gemerkt, dass mir das Projekt überhaupt keinen Spaß mehr macht. Vielleicht war es mir dann auch zu viel Positivität.

Take a break aus dem Projekt Walk of Happiness im Rahmen der Adobe Creative Residency

Wie meinst du das?

Es gibt ja eh schon so viele positive Lebensweisheiten. Wie soll ich das beschreiben? Wer gibt mir denn die Kompetenz, dass ich irgendwelchen Leute sage: „Du musst jetzt irgendwie zufrieden sein.“ Oder dass ich ihnen einen Ratschlag gebe, wie sie zufriedener sein sollten? Für mich hat sich das dann auf einmal total strange angefühlt und ich wollte mich mit dem Projekt so gar nicht mehr präsentieren.

Echt? Ist ja interessant. Du machst ja nichts Falsches damit, du gibst den Leuten höchstens Inspiration. Wenn sie eh scheiße drauf sind, ist es ja egal, wie positiv das ist, das kommt eh nicht an.

Natürlich, ja, aber das ist halt vielleicht auch in unserer Gesellschaft so, dass man sowieso schon ständig signalisiert bekommt: „Damit du zufrieden sein kannst, musst du viel Sport machen!“ Oder Yoga oder dich gesund ernähren – das sind eh schon so viele Vorschriften, dass ich da nicht auch noch zusätzlich was drauflegen muss.

Okay, so verstehe ich’s.

Und so Sprüche wie Take a Break – schöne Sprüche eigentlich, aber vielleicht stresst das dann eigentlich noch zusätzlich. „Stimmt ja, ich muss ja eigentlich auch auf mich selbst schauen“ – Selbstliebe und so weiter. Das ist ja auch noch mal zusätzlich was, das unter Druck setzt.

Patches für @lushdeutschland

Also noch eine Aufgabe. Lustig, so habe ich das noch nie gesehen. Für mich war das immer mehr der Schriftzug und der künstlerische Aspekt. Aber wurde das dann durch was abgelöst? Machst du jetzt nur noch negative Sprüche? Life sucks, fuck it.?

(Rosa lacht) Nee, sowas will ich ja damit auch nicht machen. Ich find’s irgendwie schwierig, weil man ja eigentlich auch mit Illustration schon was signalisiert und was damit repräsentiert. Bei mir hat es sich in letzter Zeit dazu entwickelt, dass ich viel Illustrationen mit Frauen mache, weil für mich in den letzten Monaten viel zentraler geworden ist, dass Frauen sich gegenseitig unterstützen und stärker machen, und ich mich eben damit viel mehr beschäftige.

Poster Muse No.2 (kaufen)

Shirt für WOMON

Ich hab schon gesehen, dass du mehr weibliche Formen in deiner Arbeit hast. Und das Lettering scheint ein bisschen wegzufallen.

Hmm – vielleicht jetzt aktuell. Aber auch aus dem Grund, weil ich mich noch nicht so lange mit Illustration beschäftige. Da gibt es für mich einfach noch so viele Wege, und ich beschäftige mich mit unterschiedlichen Techniken, beziehungsweise versuche ich da gerade noch meinen eigenen Stil zu finden. Das ist es für mich so. Und Lettering, das werde ich sicher nicht komplett zurückstellen, aber da gab es aktuell auch einfach nicht so viele Projektanfragen, weshalb das dann automatisch auch nach hinten gerückt wurde.

Das klingt alles so, als wärst du noch total frisch und ich weiß eigentlich gar nicht, wie lange du das alles schon machst.

Also selbstständig gemacht habe ich mich 2016.

Also doch auch schon wieder vier Jahre.

Schon, aber ich fühle mich eigentlich trotzdem noch total frisch. Ich weiß noch nicht, was ich für einen Stil habe in zwei, drei Jahren. Vielleicht sagen dann manche, das war doch schon derselbe Stil, den ich auch schon früher hatte, aber für mich selbst ist es dann vielleicht noch was ganz anderes.

Und bevor du dich selbstständig gemacht hast, warst du schon angestellt oder kamst du direkt von der Uni?

Ich hab studiert bis 2014, danach hab ich noch ein Praktikum gemacht und dann hab ich noch mal zwei Jahre in Designagenturen gearbeitet.

Ich war auch zwei Jahre in einer Agentur und danach hat es mir eigentlich gereicht.

Für mich ist das einfach nichts, so eine Festanstellung. Ich mag es einfach, mir selbst meinen eigenen Tag zu strukturieren und zu entscheiden, was ich mit meiner Inspiration mache.

Ich hatte da auch immer das Gefühl, dass ich sehr viel Zeit einfach nur absitze. Ich wurde sehr gut in Solitaire irgendwann.

(Rosa lacht)

Du warst in Augsburg auf der Designschule, richtig? Wie nannte die sich?

Das ist eine Fachhochschule.

Aber kommst du ursprünglich aus München?

Nee, ich bin eigentlich aus Kelheim. Das ist da zwischen Regensburg und Ingolstadt. Von da aus bin ich nach Augsburg zum Studieren gegangen.

Und wo hast du in Augsburg gewohnt?

Ich hab da in vielen verschiedenen WGs gewohnt. Ich glaube, ich bin insgesamt vier Mal umgezogen in drei Jahren Studium. (lacht)

Ich hab als Kind mal kurz im Univiertel gewohnt.

Bist du da aufgewachsen?

Nee, ich bin ich München geboren, aber als ich klein war, sind wir so zwischen München und Augsburg viel rumgezogen. Bei mir war’s nicht während dem Studium, aber dafür war ich auf vier verschiedenen Grundschulen.

Das ist ja auch viel.

Stimmt. Aber ich war vor einer Weile dann mal wieder mit meiner Freundin in Augsburg und hab’s dann ganz anders gesehen. So die Altstadt ist ja eigentlich auch ganz hübsch.

Ja, voll schön. Ich mein, besonders solang man da noch in seinem Studium ist, sich in seinen Studienkreisen bewegt und deshalb auch viele Freunde in der Stadt hat, ist es auf jeden Fall eine schöne Stadt. Danach hab ich dann noch so ein Jahr lang gejobbt nach dem Studium, aber da war es dann so, dass alle meine Freunde schon in andere Städte gezogen waren, und da habe ich dann gespürt, dass es vielleicht doch zu still in der Stadt ist. Ich war aber eigentlich auch schon während meinem Studium ständig in München, weil ich mir damals hier eine Band gesucht hatte, und da war ich dann einmal die Woche zum Proben hier und ab und zu haben wir noch irgendwo Konzerte gespielt. Deshalb hab ich dann schon 2012/13 eigentlich meine Fühler hier in die Musikszene ausgestreckt, sozusagen.

„Natürlich ist es trotzdem nicht dasselbe wie wenn ich mit einem Pinselstift was zeichne. Da kommt dann viel mehr noch Zufall rein, was ich auch sehr gerne mag. Deshalb switche ich eigentlich immer so ein bisschen zwischen digitalen und analogen Illustrationen.“

Das mit der Musik ist ja auch so ein Thema, über das ich mit dir reden wollte. Das Einzige, was ich da von dir weiß, ist, dass du bei Radio80000 eine Show hast. Was machst du denn sonst noch so?

Damals hab ich angefangen Bass zu spielen. Und zum Auflegen kam ich dann eigentlich eher zufällig, weil mal nach einem Konzert mit meiner Band der DJ krank war und die hatten uns gefragt, ob wir nicht Musik auflegen wollten. Und ich hatte ja sowieso immer die Schallplatten von meinem Vater, weshalb ich mir gedacht habe, erst mal mit den Platten aufzulegen. Deswegen habe ich am Anfang auch hauptsächlich 70er-Jahre-Sound gespielt, weil ich das halt hatte. Danach hab ich mich ein bisschen in die Punk-Richtung bewegt und jetzt, so in dem letzten Jahr, hab ich mehr elektronische Musik für mich entdeckt. Das verstehen viele, die mich von früher kennen, dann auch gar nicht so richtig. Aber für mich ist dieser musikalische Weg logisch, weil ich mich quasi chronologisch durch die Musikgeschichte gearbeitet habe. Ich muss auch sagen, so vor zwei Jahren konnte ich auch noch überhaupt nichts mit elektronischer Musik anfangen, da hatte ich gar keinen Zugang dazu. Aber dadurch, dass ich mich dann geschichtlich damit beschäftigt habe – auch wann das eigentlich erst entstanden ist, also mit dem Beginn von Synthesizern –, und da gibt es ja auch so viele super spannende Musik.

Also so 80er Jahre – Kraftwerk und sowas?

Das war ja eigentlich schon so 70er-Jahre, dass das mit den Synthesizern angefangen hat.

Song of the day

So gesehen klingt der Weg schon logisch, aber trotzdem gibt es wahrscheinlich nicht so viele Leute, die so unterschiedliche Musikrichtungen auch tatsächlich mögen, oder? Du scheinst da sehr offen zu sein.

Das hört sich vielleicht ein bisschen so an, als ob ich jede Musikrichtung spielen würde, aber natürlich ist es nicht so, dass ich alles mag, was jemals produziert wurde. (lacht) Ich hab irgendwann mal gemerkt, dass für mich in Songs der Bass eine sehr zentrale Sache ist – das hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass ich selbst auch Bass spiele.

Die Musik kam dann aber erst recht spät in dein Leben, oder? Wann hast du mit dem Bassspielen angefangen?

Da war ich 20, glaube ich. Ich hab aber schon sehr früh Klavierunterricht bekommen und hab einen großen Bruder, der schon immer viel besser gespielt hat.

Wie fies! (lacht)

Deshalb hab ich mir da schon früh, so mit 15, gesagt: Ich spiel nicht mehr, das mach ich nicht mehr mit. Und ich dachte eigentlich auch, dass ich Musik für mich abgeschlossen hätte. Bis ich dann später gesehen habe, vielleicht muss ich auch gar nicht auf so einem professionellen Level Musik machen, sondern einfach so weit, dass es mir selber Spaß macht und ich meine Freude daraus ziehen kann.

Aber was heißt schon professionell? Morgen Abend legst du ja zum Beispiel in der Goldenen Bar auf – das ist ja auch ein Gig, das ist ja professionell.

Ja, aber ich bin ja trotzdem nicht so professionell wie die Profi-DJs!

(Beide lachen)

Es gibt immer jemanden, der noch erfolgreicher ist.

Das stimmt natürlich. Ich bin vielleicht auch einfach generell schon eher kritisch mit den Sachen, die ich selbst mache.

Personal work It’s easy

Poster für @aqua_monaco

Aber ich glaube, das ist eine Sache, die Kreative oft in sich haben. Mir geht’s da auch nicht anders. Aber das muss ja vielleicht auch so sein, wenn man selbstständig ist – per Definition ist die Meinung des Kunden ja nicht so, sagen wir mal, fundiert. Deshalb hat er dich ja engagiert. Letzen Endes musst du also selbst dafür sorgen, dass du dich stetig verbesserst. Ich glaube, dieses stetige Pushen macht einen guten Gestalter, Musiker, Künstler auch aus.

Wenn man mit sich selbst und seiner Musik so zufrieden wäre, dass man sagen würde, ich hab schon alles erreicht, warum sollte man dann überhaupt noch was machen? Deswegen ist eine gesunder Selbstzweifel auch nötig, damit man sich überhaupt noch entwickelt.

Und wer denkt, er hat alles ausgereizt in einem Bereich wie Design oder Musik, hat ja offensichtlich auch noch nicht viel verstanden, denn solche Themen sind ja unerschöpflich. Selbst wenn niemand anders weiter gegangen wäre, du kannst immer noch weiter gehen.

Das stimmt.

Aber gerade bei dir merkt man, dass du immer weiter suchst. Wie du schon sagst, 70ties, Punk und Elektro haben schon einen Faden, der sie verbindet und genauso ist es wahrscheinlich auch bei deiner Grafik: Der rote Faden ist da, auch wenn du ihn selbst noch nicht siehst – alle anderen aber schon. (lacht)

Ich mein, ich seh den schon auch immer mal wieder ein bisschen, den roten Faden, auch in Designs, die ich schon in meiner Studienzeit gemacht habe. Da sehe ich dann was, was ich auch jetzt noch immer so machen würde. Für mich ist es noch nicht so absolut schlüssig, aber vielleicht, wenn ich dann mit 70 Jahren auf mein Leben zurückschaue, denke ich mir dann: „Das hat doch alles Sinn gehabt.“