Nina, Schere, Papier

Nina erschuf mit The Colorful Crew ihre ganz eigene kreative Ausdrucksform: Ausgestattet mit Schere und Papier illustriert sie mit viel Ehrlichkeit und Farbe Motive in ihrem ganz eigenen, plakativen Stil. Das fand auch bei Adidas anklang, die sie Anfang diesen Jahres für eine Zusammenarbeit ins Boot holten.

InterviewNina Greif-Reitzenstein (The Colorful Crew)September 2020

Tanktop Do s.th Dove

Sven: Und aus dem kleinen Atelier hast du bis vor kurzem noch den ganzen Versand gemacht?

Nina: Ja, genau die Wand, an der jetzt die Art Prints hängen, war noch gerade nach den Lieferungen bis unter die Decke mit Kartons voll. Und dann sollst du da arbeiten! Da kannst du deinen Kopf auch nicht so wirklich aufmachen, wenn du von Kartons umgeben bist. Aber ich hab einfach keinen Lagerplatz gefunden. Aber jetzt ist alles in Augsburg. Die Ware kommt momentan von zwei Druckereien und die bedrucken die Textilien – ich hab ja verschiedene Sachen: Die Papeterie, die Artprints, jetzt seit kurzem die Notebooks, die Sweater, T-Shirts, Taschen. Jetzt im Herbst/Winter ist auch Knitwear geplant.

Wie lang hast du das denn gemacht, also dass du von hier aus selbst verschickt hast?

Zwei Jahre hab ich alles selber gemacht. Jedes einzelne Paket. Dann hab ich mir Hilfe gesucht. Lustig ist eigentlich, das erste T-Shirt hab ich hier im Hof auf dem Boden fotografiert. Ich bin ja ehemalige Waldorfschülerin, weißt du, und ich komme aus einer Familie, in der die Gestaltung eine große Rolle spielt. Also hab ich das Artwork auf das T-Shirt gelegt, das Foto auf Instagram hochgeladen und dann kam gleich: „Wow, wo gibt’s denn des?“ Ja, so hat’s eigentlich angefangen.

Limited Edition T-Shirt EYE

Während unseres Gesprächs schnitt Nina ganz nebenbei ein bisschen vor sich hin …

Das war also nicht mal ein bedrucktes T-Shirt?

Richtig, ich arbeite nach wie vor so. Ich entwickle Produkte, die aus mir kommen und die ich auch anziehen würde und für die ich vor allem auch stehe. Das ist, was ich auch immer wieder kommuniziere. Wenn ich könnte, würde ich große Kollektionen machen, in verschiedenen Bereichen. Ich würde gern Homeware machen, Kissen haben wir eh geplant. Nur man muss es natürlich auch finanzieren.

Die ersten Jahre hab ich alles alleine gemacht. Ich bin jede Woche mit fünf Ikea-Taschen voll mit Bestellungen behängt zur Post gefahren. Stimmt, so hat das angefangen. (lacht) Oder ich bin mit meiner kleinen Tochter auf dem Arm zur Druckerei. Das war ja alles auch Learning by doing, ich hab ja nie in einem großen Modeunternehmen gearbeitet. Und dann stand ich da bei dem Drucker und der hat mich angeschaut und meinte so: „Ah, sie wollen also T-Shirts machen?“

Der hat dich etwas belächelt?

Ja total! Und das ist mir oft passiert. Ich bin selbstkritisch, wie du ja auch schon bemerkt hast, aber auf eine Sache konnte ich mich schon immer verlassen und das ist mein Bauchgefühl. Und auf die Kunst an sich. Obwohl das auch nicht immer leicht ist, du kennst das ja selbst, man sieht so die eigenen Sachen und …

Man ist nie zufrieden mit den eigenen Sachen.

Ja genau. Ist das jetzt echt gut? Und natürlich geht das viel über die Audience. Wenn Freunde, Mitarbeiter oder jemand auf Instagram sagt, wie geil das ist, dann hab ich auch noch mal ein besseres Gefühl.

Voll, das legitimiert die eigenen Sachen irgendwie. Und sobald man auch nur ein bisschen positives Feedback bekommt, kann man selber auch eingestehen, das die eigenen Sachen gut sein können.

Ja, aber schlimm eigentlich, oder?

Nina zeigt den Pullover Greta in ihrem Atelier.

Ja ja, aber ich glaube, das geht den meisten so. Man ist ja nie komplett isoliert.

Für sowas wie unsere Arbeit ist Instagram eben großartig. Ich hab Freunde gefunden über Instagram, das ist Wahnsinn. Und man muss halt das Oberflächliche alles ausblenden. Es gibt auf Instagram auch viele Bereiche, wo es um Self-Love und Women-Empowerment und solche Sachen geht. Und da pass ich mit meinen Artworks echt gut hin.

Und wie bist du denn zu dem Scherenschnitt gekommen? Oder besser: Wie hast du das als dein Medium entdeckt?

Das ist ja nicht Scherenschnitt. Ich mache Paper-Art. Und wie ich dazu gekommen bin, willst du wissen? Wie gesagt, Waldorfschule, zwei Kunststudien und aus einer Familie mit zwei Künstlern entsprungen. Papier war schon immer mein Material. Beim Zeichnen und Skizzieren, da muss die Linie stimmen. Und da war ich nie zufrieden mit meiner Arbeit. Beim Papier ist es anders, das ist einfach mein Material. Ich kann mit dem Stift meine Kunst nicht so darstellen wie mit Papier. Ich arbeite viel mit Buchstaben und die Typo macht es dann ganz – makes it whole, würde man im Englischen sagen. Papier ist ein bisschen dreidimensionaler und irgendwie moderner. Es ist Art Illustration. Ich bin also ein Paper-Illustrator.

Ich find’s immer interessant, wie jeder von einem anderen Material oder Werkzeug angezogen ist. Manche digital, andere mit Papier, manche malen mit Acryl oder Wasserfarben, Bildhauerei, Skulpturen, Tattoos. Ist schon witzig, aus irgendeinem Grund spricht dich was Spezielles an.

Paper-Art ist natürlich wahnsinnig plakativ. Deshalb mag ich das so. Und ich hab so viele Ideen, die ich damit ausdrücken kann.

Ich frag mich manchmal auch, ob das nicht so ein bisschen ein Tausch ist. Das Kreative, das ist ja auch was Internes. Aber man hat nur eine gewisse Bandbreite in seinem Geist und dafür bleibt was von dem Externen dann auf der Strecke. Viele Künstler sind ja auch etwas introvertiert oder selbstkritisch.

Also introvertiert bin ich auf gar keinen Fall. Mein Mann sagt immer: „Ach Nina, jetzt halt doch mal die Klappe.“ (lacht) Ich glaub, ich bin sehr direkt und sag, was ich denke.

Und dein Vater war also auch schon Künstler?

Ja, aber da muss man eigentlich schon früher anfangen. Also mein Urgroßvater väterlicherseits hat Malerei unterrichtet an der Akademie der bildenden Künste.

Auch schon in München?

Ja, in München. Seine Frau war Textildesignerin. Damals haben die die Entwürfe alle per Hand gemalt, Blumen und so. Mein Vater war Illustrator, Fotograf und Grafiker, und meine Mutter ist auch Grafikdesignerin und hat schon immer privat viel fotografiert. Meine Schwester ist ebenfalls Grafikdesignerin und macht witzigerweise mittlerweile auch was mit Textil. Irgendwie liegt das wohl in den Genen.

T-Shirt Frida

Eine sehr kreative Familie.

Immer wenn ich in Ausstellungen war, hab ich gespürt, da ist was, ich kann das auch. Bis ich dann mit meinen eigenen Sachen angefangen habe. Jetzt mit Corona hatte ich ne kreative Pause, hab die Krise als Chance genutzt, und jetzt ist zum Beispiel daraus das To New Beginnings entstanden. Schön wäre es, wenn ich noch mal so eine richtige Kollektion machen könnte. Vor allem aus Jersey, das ist einfach ein Stoff, den ich mag.

Und was hält dich davon ab? Du steuerst ja, was du rausbringst.

Also für so eine Kollektion brauchst du die Supply-Chain und einen Ansprechpartner, der das einfach gut macht. Ob das jetzt in dem Bereich Jersey ist oder Denim oder Knit, also Strick. Für so ein kleines Label wie mich ist das nicht einfach, weil es auch bestimmte Stückzahlen gibt, die man abnehmen muss. Wenn man dann mal größer ist, dann geht das. Haben wir ja auch schon 2017 und 2019 gemacht, es ist halt jedes Mal eine große Entscheidung.

Erzähl doch mal, du kommst ja auch irgendwie schon aus der Richtung Mode, oder?

Ich hab mein Abitur in England gemacht, denn ich bin ohne irgendeinen Abschluss von der Waldorfschule gegangen, aber das ist noch mal eine andere Story. Da hab ich dann mein Fachabitur gemacht. Danach bin ich aufs London College of Fashion und hab dort Produkt Development for the Fashion Industry studiert. Das war aber sehr BWL-lastig und nicht kreativ genug.

Ist jetzt aber wahrscheinlich sehr nützlich, dass du das mal mitgemacht hast, oder?

Witzigerweise wäre es jetzt gut gewesen, ich hätte das mal durchgezogen! (lacht) Das hab ich dann abgebrochen und bin auf die University of Westminster gegangen und hab dort BA Arts and Illustration studiert. Das war total frei. Da konnte ich ganz viel mit Kostüm, Fotografie und Druck machen. Es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich in irgendwas richtig gut war. Das war gerade nach diesem Schulabbruch genau das, was ich gebraucht habe. Danach bin ich zurück nach München und erst mal ans Theater gegangen. Ich war am Gärtnerplatz- und am Prinzregententheater als Kostümassistenz. Aber das Theater war mir auch schnell zu muffig. Dann bin ich weiter zum Film, nein, erst zur Serie: SOKO 5113. Hab auch viele Spielfilme als Kostümassistenz mitgemacht, aber das hat mich alles nicht wirklich erfüllt, weil’s einfach kein kreatives Arbeiten ist. Da kommt die Regie und sagt: „Was ist denn das für ’ne Strumpfhose? Ach nee.“

Denen ist wahrscheinlich auch wurscht, was ihr da erschafft, die wollen nur etwas, das funktioniert.

Natürlich, das ist scheißegal. Das fällt so hinten runter. Es sind immer nur die Schauspieler. Mein Gott, die Schauspieler hab ich genauso in Unterhose gesehen und das beeindruckt mich null. Trotzdem waren das auch lustige Zeiten. Danach bin ich zu einer festen Fotoproduktion in München gegangen. Zwischendrin war ich noch knapp ein halbes Jahr in Südafrika. Dann haben wir eine Zeit lang in Berlin und Hamburg gewohnt.

Nina umringt von ihren Artworks in ihrem kleinen Atelier.

Du warst ganz schön umtriebig, hmm? (lacht)

Ja, sehr auf der Suche, stimmt. Andere machen ihr Studium zu Ende, heiraten, kriegen Kinder. Das war bei mir anders. Der Weg ist das Ziel. Jetzt bin ich eigentlich schon seit langem langweilig. (lacht) Ich hab dann meinen Mann kennengelernt hier in München und wir haben auch relativ schnell unsere große Tochter bekommen. Dann muss man halt überlegen, wie man sein Geld verdient. Und so hab ich mit The Colourful Crew begonnen. Zwischendrin hab ich lustigerweise noch ein paar Häuser und Wohnungen eingerichtet. Eine Freundin hatte mich gefragt, ob ich ihren Kindergarten einrichten möchte – dabei komm ich gar nicht aus dem Interior-Design. Aber da hab ich mich reingefuchst Doch das war nur als meine Tochter noch klein war. Danach wollte ich zur Kunst zurück und habe versucht, Textil und Kunst zu verbinden. Am Anfang habe ich Shirts von Großhändlern eingekauft und bedrucken lassen. Dann wollte ich relativ schnell, im zweiten Jahr, meine eigenen Schnitte machen. Dazu bin ich das erste Mal ins Ausland gegangen und alle haben erstmal gesagt, „Spinnst du?“ – stimmte auch! Damit fiel ich erstmal voll auf die Schnauze. Ich hab dazugelernt, neue Produktionspartnerinnen kennengelernt und weiterhin im Ausland produziert. Jetzt durch Corona bin ich erstmal mit der Produktion wieder zurück in Deutschland und kaufe bei nachhaltigen Textilproduzenten ein und lasse auch hier bedrucken.

Momentan ist also kein eigener Schnitt dabei?

Momentan nicht, aber das wünsche ich mir wieder!

Musst du da dann auch ab und zu mal hin, also in die Produktion?

Ja, das wollte ich unbedingt dieses Jahr. Ich wollte nach Istanbul zu meiner Produzentin, der ich total vertrauen kann. Das würde ich jedem empfehlen, der seine eigenen Sachen machen will: Du musst jemanden haben, dem du vertraust. 2017 hatte ich jemanden, der mich übers Ohr gehauen hat. Die Produkte wurden geliefert, die Ware ging an die Händler raus und dann hat sich der Druck rausgewaschen. Dann stehst du da. Ich dachte, ich krieg einen Nervenzusammenbruch. Das sind auf einmal ganz neue Herausforderungen, mit denen man lernen muss, umzugehen, auch im Bereich Customer-Service und Fulfillment.

Deswegen hast du ja jetzt auch das Fulfillment ausgelagert.

Genau. Ich habe mit all dem gelernt, dass man sich abgrenzen muss, und das heißt eben auch abgeben und outsourcen. Die tollste, Claudia, aus meinem Team macht jetzt zum Beispiel auch viel von der Kundenbetreuung. Ich kann nicht alles machen.

Anfang des Jahres hattest du dann aber eine Kollaboration mit Adidas. Das war ja mal eine ganz andere Hausnummer.

Oh mein Gott, da klebte ich erst mal drei Tage an der Küchendecke, als die E-Mail kam. Ich musste mich erstmal wieder runterfahren, denn ich durfte ja auch monatelang keinem davon was sagen.

Wie sind die denn zu dir gekommen?

Über Instagram. Die Chefin von Adidas Deutschland folgt mir. Sie haben mir eine E-Mail geschrieben und mich gefragt, ob ich mir das prinzipiell vorstellen könnte.

Wollten die was Konkretes? Was habt ihr denn überhaupt zusammen gemacht?

Die wollten mit meinen extra für Adidas entwickelten Artworks eine kleine gemeinsame Kollektion machen. Dennoch war die Kooperation eigentlich eine traurige Geschichte. Den zur Eröffnung der Shopflächen kam der Lockdown. Ich hatte Flächen in dem größten Adidas-Flagship-Stores u.a. auch in Berlin und ich sollte dort auch einen Paper-Art-Workshop machen. Ich hatte schon Material gekauft, den Flug gebucht, Hotel gebucht. Aber an dem Wochenende, als ich hinfliegen wollte, kam der Lockdown.

Aber in München hast du es zumindest gesehen, oder?

Ja, aber das war klein. Aber trotzdem – ein unglaubliches Gefühl, dass da meine Sachen hingen. Man hat schon so ein bisschen das Gefühl, man hat’s geschafft. Adidas ist ja doch eine Weltmarke. Auch wenn sie sich letzten Endes eine arme Künstlerin gesucht haben. (lacht) Die Zusammenarbeit war aber total nett, die ersten Vorschläge haben sie auch sofort genommen. Wir haben gemeinsam die Styles ausgesucht. Es gibt da ja zwei Linien, die Sports Fashion und die Originals, die mehr so von den Siebziger Jahren angehaucht sind, die mir persönlich auch besser gefällt.

Passt ja auch besser.

Voll! So Run-DMC-Style. Dann haben wir Taschen produziert, Hoodies, Sweater und Poster. Und dann ging es in die Shops und auf die Flächen.

Man redet ja immer von Exposure – hat dir das von dem her was gebracht? Wurde das Geschäft dadurch angekurbelt?

Bestimmt. Aber ich kann jetzt nicht sagen, dass ich da einen Riesensprung gesehen habe.

Oder ein Spike bei deinen Instagram-Followern? 5.000 mehr an einem Wochenende oder sowas?

Nee, überhaupt nicht. Die Followerzahl hat es natürlich schon beeinflusst, aber nicht sehr. Es hat eher an dem Respekt was verändert, an der Sichtbarkeit. Die Marke hat eine andere Dynamik bekommen. Das ist, was ich in der Zukunft gerne machen würde. Ich würde den Shop gerne früher oder später abgeben – aber das Product-Development weiterhin noch selber machen, und würde gerne dann hauptsächlich tolle Kooperationen machen. Das wäre cool.

Bei den Sachen, die ich da so mitbekomme, habe ich den Eindruck, die Marken suchen sich für die Kooperationen eher reine Künstler. Wenn man eh schon eigene Produkte hat, ist man als Partner vielleicht nicht ganz so attraktiv. Vielleicht musst du dich dann irgendwann wieder mehr mit der Kunst platzieren.

Das würde ich ja auch gerne, aber wann soll ich das auch noch machen? Da geb ich dir natürlich vollkommen recht, die wollen einen Künstler. Deswegen war es mir auch wichtig, auf Instagram als Künstler vertreten zu sein. Das ist der andere Zweig, den ich gerne vertiefen würde.

Grafik dann eigentlich, oder?

Ach, ich mag Grafik immer nicht so. Ich komm aus einer Familie von Grafikern, ach Gott. (lacht) Die machen das alle am Rechner. Ich will da auch nicht arrogant wirken, aber ein Handwerk ist halt ein Handwerk. Doch das stimmt wahrscheinlich nicht. Du sagst ja auch, du kennst Leute, deren Kreativität am Rechner entsteht und das ist auch total cool.

Das ist ja nur, wie es den Ausdruck findet. Ich kann mir schon vorstellen, dass das Analoge leichter befriedigt, weil man was anfassen kann. Aber es gibt ja auch viele Sachen, die kann man gar nicht analog machen, was so einfach nicht möglich ist.

Du, meine Sachen werden dann ja auch alle digitalisiert. Anders ging’s ja gar nicht.

Und hebst du die Originale alle auf? Oder gibst du die ab, verkaufst du sie? Oder bist du gierig mit deinen Sachen?

Ja! (lacht) Das Schlimme ist, ich hab auch eine Page mit Artwork auf der Website, aber eigentlich kann ich’s nicht hergeben. Ich hab auch vor Adidas schon verschiedene Kooperationen gemacht, aber auch bei Kooperationen muss ich das Original behalten. Vielleicht hab ich das deswegen auch noch nicht so gepusht, denn wenn ich eine Ausstellung hätte und jemand wollte das haben, könnte ich das nicht hergeben.

Dann machst du es ja schon genau richtig. Du machst die Kunst, kannst die Originale für dich behalten und kannst sie trotzdem noch verkaufen.

Und vervielfältigen, ja, das stimmt. Deswegen mach ich es wahrscheinlich auch so. (lacht) Da hinten steht ja auch alles voll und auf dem Speicher ist auch noch was.

Nina schneidet jedes Motiv von Hand, bevor es digitalisiert wird und auf ihre Produkte kommt.

Es ist ja schon auch cool da drin das Original von New Beginnings direkt neben dem dazugehörigen Poster und Sweater zu sehen. Auf einmal wird das so real, dass du an einem regnerischen Nachmittag dasaßt und das Ding geschnitten hast.

Ja, das wissen eben viele auch nicht. Das muss ich vielleicht auch mal mehr kommunizieren. Erst die Idee, dann das dreidimensionale Artwork und dann kommen erst die Hard Goods. Und wenn du das anziehst, wirst du irgendwie ein Teil davon. Deshalb hab ich auch Kunden, die von Anfang an jedes Teil gekauft haben! Ich denk immer, ich muss denen jetzt mal was schenken. (schmunzelt) Das sind echte Fans.

Da sieht man dann vielleicht auch wieder, dass es doch Kunst ist.

Ja, und vielleicht auch Marke. Meine Kunden kaufen sich ein Stück Kunst an ihren Körper.

Kunst hat sich ja auch sehr gewandelt. Auch Sachen, die man trägt, werden heute zu einer Kunstform.

Ja eben. Und da bin ich nicht die Einzige. Schau dir das mal auf Instagram an, das sind ja alles Künstler, die mittlerweile wahnsinnig Reichweite haben.

Du möchtest also langfristig zur reinen Kunst?

Ja, nein, nee – das wär nebenbei. Aber ich würde gerne meinen Pinselstrich, meinen Paper-Cut mit großen Unternehmen teilen. Ein Brand aufbauen, das kann parallel laufen und organisch, so wie es jetzt eben läuft. Ich liebe Fashion und bin ein großer Fan von Isabel Marant, von großen und kleinen Labels, die viel so siebzigerjahreinspirierte Sachen machen. Einem Produkt meinen Touch zu geben, das wär’s. Zum Beispiel mit Vans! Die haben gerade was mit Kenzo. Deswegen war das mit Adidas ja so krass, weil das so eine bekannte Marke ist. Ansonsten hab ich auch total nette Partner – oft Muttis – die das tragen und eine wahnsinnige Reichweite haben und damit ihre Follower inspirieren.

To New Beginnings war eines meiner Lieblingsstücke in Ninas Atelier. Das Motiv ist als Pulli, Plakat und Notizbuch zu haben.

Aber das ist ja auch cool. Das ist so eine ganz neue Szene, die sich da entwickelt.

Ich bin ja selber ne Mutti. Und von denen kommt auch viel von unserem Umsatz. Aber auf der künstlerischen Ebene würde ich gerne auch noch mehr recognized werden.

Kam das nicht schon mit Adidas auch irgendwie? Die haben ja Künstler gesucht.

Ja, das wäre jetzt auch schon für den Rest meines Lebens okay. „Du hast was mit Adidas gemacht“, das ist einfach cool. Aber klar, deshalb hab ich ja jetzt auch so viel Arbeit abgegeben, weil ich mich wieder mehr auf die Artworks konzentrieren möchte.