Die Natur erobert langsam die Terrasse des Cafés zurück

Wäre man in den letzten Jahren an einem sonnigen Tag im Mai auf die Dachterrasse des Café im Vorhoelzer Forum gekommen, hätte man wahrscheinlich kaum einen Platz gefunden. Aber an diesem Tag waren Konstantin und ich alleine auf dem Dach als wir uns über die Maßnahmen und was sie für ihn und seine Partner bedeuten unterhielten. Aber das Gras, das sich langsam seinen Weg zwischen den Bodenplatten hindurch bahnt, wird nicht mehr lange ungebremst die Terrasse zurückerobern können, wenn das Café Ende Mai wieder eröffnet – wenn auch vorerst nur testweise.

InterviewKonstantin Irnsperger (Café im Vorhoelzer Forum)Mai 2020

Konstantin Irnsperger auf der geschlossenen Terrasse seines Cafés in der TU München.

Wann habt ihr denn hier zugemacht?

Sobald die offizielle Ansage kam. Wann war das? Mitte März?

Und hatte sich die Situation davor schon bemerkbar gemacht?

Man hat schon gemerkt, dass die Leute verhaltener wurden. Vor dem Lockdown waren alle ja schon ein bisschen unsicher, wie man sich denn nun verhalten sollte. Es gab ja noch keine Maskenpflicht oder ähnliches, aber jeder wusste schon, dass das Virus im Umlauf ist. Sowohl bei den Gästen, als auch bei uns und unseren Mitarbeitern hat man gemerkt, dass es eine ganze eigene Situation war, die sich von Tag zu Tag entwickelt hat.

Habt ihr zu dem Zeitpunkt wirtschaftlich schon was gemerkt?

Das ist schwer zu sagen, weil wir gerade eh schon so viele Umstellungen ausprobiert haben. Wir haben zum Beispiel auf rein bargeldlose Bezahlung umgestellt.

Wegen Corona?

Unabhängig davon. Aber deswegen haben wir einige Schwankungen gemerkt, von denen wir aber nicht ganz sicher sein können auf was die zurückzuführen sind. Obwohl das bargeldlose Zahlen sehr gut angenommen wurde.

Ihr habt also vor dem Schließen keine großen Auswirkungen gespürt?

Naja, dadurch dass wir eh sehr wetterabhängig und saisonabhängig sind und diese ganze Entwicklung so schnell ging, kann man jetzt eigentlich nicht sagen, wie groß der Einfluss wirklich war.

Das war also Mitte März, jetzt geht es gegen Ende Mai – mittlerweile also zwei Monate schon, die ihr geschlossen habt. Wie läuft das für euch denn so mit den laufenden Kosten?

Die Universität hat uns und allen anderen auf dem Gelände glücklicherweise die Miete komplett erlassen. Es gibt aber natürlich noch andere laufende Kosten wie Verträge, Lizenzen und so weiter. Da fällt schon was an, aber es ist im Rahmen des Machbaren. Wenn uns aber längerfristig die Einnahmen fehlen, wird das ein Problem.

Aber jeder von euch, der hier beteiligt ist an dem Laden, hat noch andere Projekte, richtig?

Von uns macht keiner nur das Café. Allerdings sind wir alle im Gastro-Bereich, uns fehlen also auch woanders die Einnahmen. Und unsere Mitarbeiter sind jetzt natürlich in 100 % Kurzarbeit. Wir sind ziemlich froh, dass der Staat uns da die Möglichkeit gibt, die Gehälter zumindest teilweise weiter zu bezahlen.

Der 360-Grad-Ausblick von der Dachterrasse auf die Frauenkirche und viele andere von Münchens Attraktionen ist momentan wenigen vorbehalten.

Die Maßnahmen wurden jetzt schon gelockert. Wie stehen denn die Aussichten, dass ihr bald wieder aufmacht?

Wir müssen dann zuerst mal schauen, ob es überhaupt wirtschaftlich ist. Denn im Moment, mit den Auflagen, wird es laut unseren Berechnungen zumindest schwer, am Ende auch nur auf null zu kommen. Wir leben hier halt davon, dass sich viel dreht, Leute sich auch Sachen to-go holen. Und wenn wir jeden platzieren müssen, wird es schwer die Frequenz zu halten.

Und wenn es auf null geht, würdet ihr dann überhaupt den Laden aufsperren?

Wenn’s Null ist, würde man es natürlich lieber bleiben lassen. Aber aus der Null raus hat man dann zumindest die Chance weiter zu optimieren, um dann vielleicht schwarze Zahlen zu schreiben.

Weit und breit kein Gast …

Meinst du denn, dass die Auflagen schnell weiter gelockert werden?

Schnell glaube ich nicht. Ich glaube, es gibt zwei Situationen: Zum einen, dass wir lernen mit den bestehenden Auflagen effizienter zu werden oder dass die Maßnahmen langfristig gelockert werden und wir dann wieder in einem gewissen Flow sind, um daraus gleich weiterzumachen.

Natürlich hat keiner von uns wirklich eine Ahnung, aber für wie sinnvoll hältst du persönlich denn die Auflagen?

Also ich halte die Auflagen für sinnvoll und ich halte auch den Lockdown, den es gab, für sinnvoll. Ich denke, das war alles genau der richtige Weg. Klar, im Einzelfall kann man immer sagen hier bei dem Laden oder in dem Objekt wäre es anders besser geregelt, aber es mussten einfach allgemein gültige Regeln festgelegt werden. Auch wenn es uns hart trifft, ist das all-over völlig in Ordnung. Es ging halt nicht anders.

Und was hältst du davon, dass es jetzt gelockert wird?

Da muss man von den selben Zahlen ausgehen. Es gibt natürlich einen Interpretationsspielraum, aber im Großen und Ganzen denke ich, das ist jetzt in Ordnung. Ob das jetzt zwei Wochen früher oder später stattfinden sollte, da lässt sich wahrscheinlich drüber streiten. Aber klar, irgendwann mussten auch wieder Lockerungen kommen. Wir müssen abwarten, wie sich das entwicklen wird.

Oft wird ja von einer Entscheidung zwischen Wirtschaft und Menschenleben gesprochen. Was meinst du dazu?

Selbst wenn nur eine einzige Person mehr stirbt als notwendig, glaube ich, wäre das schwierig mit den Werten unserer Gesellschaft zu vereinbaren. Wir sagen, wir geben dem Leben keinen Preis und von daher musst du das an oberste Stellen setzen. Und das finde ich auch ein gutes Signal. Klar, wirtschaftlich bringt uns das in eine schwierige Situation, aber wenn man jetzt selbst zur Hochrisikogruppe gehören würde, weiß man, man wird jetzt nicht einfach fallen gelassen.

Und wie siehst du die wirtschaftlichen Auswirkungen?

Solange Möglichkeiten da sind, um die wirtschaftlichen Auswirkungen, mit denen es die ganz Schwachen trifft, abgefedert werden können, wie Kurzarbeit, Soforthilfen, Hilfskredite und Ähnliches. Klar geht das nur eine begrenzte Zeit lang und es gibt organisatorische Probleme, deswegen müssen ja auch Lockerungen kommen, aber halt mit so vielen Schutzmaßnahmen wie möglich. Ich denke, dass wir uns eh auf einem Mittelweg befinden. Aber den Schutz müssen wir weiterhin so hoch wie möglich halten. Man findet natürlich immer Punkte, die man kritisieren kann, aber eine Entscheidung musst du treffen. Man wird danach immer sagen können, da hätte man was besser machen können, aber man muss sich eben entscheiden.

Und wie siehst du die Lage für dich persönlich und den Laden hier?

Ich denke, dass wir da abhängig sind von der Situation. Wir als Unternehmer müssen versuchen, das Beste daraus zu machen und zu versuchen, wirtschaftlich arbeiten zu können trotz Auflagen. Und wenn das nicht möglich ist, müssen wir geschlossen bleiben. Ich denke, langfristig werden weitere Lockerungen kommen, aber Prognosen sind in dieser Zeit so schwierig, dass man eigentlich immer nur kurzfristig reagieren kann.

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